F.3 Immissionen

Bearbeitungsstand: 07/2008

MILIS

Das Landesumweltamt NRW (LUA) führt seit 1984 das Meßprogramm MILIS durch. Mit den im Rahmen dieses Programms durchgeführten Messungen (im Regelfall an Orten, die nicht einer ständigen Luftqualitätsüberwachung unterliegen) wird dem Bedürfnis der Bevölkerung nach Informationen über die lokale Immissionssituation entsprochen.

Mit Hilfe eines mobilen Messcontainers wurden anfänglich nur die Konzentrationen der Stoffe Schwefeldioxid (SO2), Stickstoffmonoxid (NO), Stickstoffdioxid (NO2), Kohlenmonoxid (CO), Ozon (O3) als Halbstunden-Mittelwert, Ozon (O3G) als Einstunden-Mittelwert und Schwebstaub (SSTR) sowie die meteorologischen Parameter Windrichtung und Windgeschwindigkeit kontinuierlich registriert. Aufgrund der zunehmenden Bedeutung von organischen Stoffen und Metallverbindungen in der Luft wurde im Jahre 1994 das Meßprogramm MILIS erheblich erweitert.

Gegenwärtig werden daher auch die leichtflüchtigen organischen Stoffe (VOC) Benzol, Toluol, m- und p-Xylol, o-Xylol und Ethylbenzol, sowie im Schwebstaub eine Reihe von Metallen und polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) gemessen. Außerdem werden über ein weiteres Probenahmesystem polychlorierte Dibenzo-p-dioxine und Dibenzofurane (PCDD/PCDF) und polychlorierte Biphenyle (PCB) in der Luft bestimmt (LUA 2001).

In den Jahren 1986, 1987, 1991, 1995, 1999/2000 sowie 2001/2002 wurden derartige Messungen an unterschiedlichen Standorten in Gütersloh durchgeführt. Da der Umfang der letzten 3 Messungen weit über den der vorangegangen hinausgeht, können nur wenige Werte über die Zeit vergleichend betrachtet werden. Ausführlich werden die Messungen von 1995, 1999/2000 und 2001/2002 dargelegt (LUA 1996, 2001, 2002). Die Messung 1999/2000 sollte in erster Linie der Dokumentation der Luftbelastung im Abstrom des Spanplattenwerkes der Firma Pfleiderer vor dessen Sanierung dienen. Mit Hilfe der Messergebnisse vom Winter 2001/2002 sollten Veränderungen der Belastungen nach der Sanierung bei der Firma Pfleiderer festgestellt werden. Alle Messergebnisse und Berichte liegen bei der Stadt Gütersloh im Fachbereich Umweltschutz vor.

Die Tabelle auf der folgenden Seite zeigt einen Auszug aus den im September 1995, Dezember 1999 bis Februar 2000 und Dezember 2001 bis Februar 2002 ermittelten Ergebnissen.

 

Bewertungsmaßstäbe Immissionsbelastung

Um eine Vergleichbarkeit der Messergebnisse zu erreichen, sind die Werte von landesweit über 50 dauerhaft fest installierten sogenannte LUQS-Stationen herangezogen worden. Teilweise wurden mit Hilfe dieser Werte für die Gütersloher Messungen Jahresmittelwerte hochgerechnet. Diese können unter Bezug auf die maximalen Immissionskonzentrationen der VDI-Richtlinie 2310 (MIK-Werte), die Grenzwerte der TA Luft sowie entsprechende EG-Schwellenwerte bewertet werden. Zur Beurteilung der maximalen Halbstunden- und Tagesmittelwerte der kontinuierlich gemessenen Schadstoffe stehen als Richtwerte weitere MIK-Werte zur Verfügung.

In den kürzlich von der Europäischen Union verabschiedeten Richtlinien 1999/30/EG und 2000/69/EG sind für die meisten kontinuierlich gemessenen Schadstoffe Grenzwerte auf Basis von Stunden- und Tageswerten festgelegt (siehe Tabellen). Es handelt sich bei diesen Grenzwerten zumeist um Jahresgrenzwerte: Die maximal zulässige Anzahl der Überschreitungen eines Konzentrationswertes ist angegeben. Sie müssen erst nach einer Übergangsfrist eingehalten werden; bis dahin gelten Toleranzmargen, die jährlich abnehmen. Ist in dieser Übergangszeit die Summe aus Grenzwert und Toleranzmarge überschritten, müssen für das betroffene Gebiet Maßnahmenpläne erstellt werden. Der Umsetzung der Richtlinien in nationales Recht steht noch aus.

Gemittelte Kenngrößen der MILIS-Messungen in Gütersloh in den Messzeiträumen September 1995, Dezember 1999 bis Februar 2000 sowie Dezember 2001 bis Februar 2002
Standorte der Messcontainer: Wasserwerk Langer Weg (1995) und Miele-Werke, Carl-Miele-Straße (1999/2000 und 2001/2002)

Stoff Dimension Mittelwert höchster höchster
Meßzeitraum Halbstunden-Mittelwert Tagesmittelwert
    1995 1999/ 2001/ 1995 1999/ 2001/ 1995 1999/ 2001/
2000 2002 2000 2002 2000 2002
SO2 [µg/m3] < 10 < 10 < 10 58 47 28 21 29 17
NO [µg/m3] 11 16 14 239 164 394 46 87 144
NO2 [µg/m3] 28 33 25 81 79 76 47 65 54
CO [mg/m3] < 0,4 0,5 0,5 2,4 2,5 3,1 0,7 1 1,5
O3 [µg/m3] 28 25 29 99 82 82 51 62 70
O3G [µg/m3] 28 - 29 96 * - 82 * 51 - 69
Schwebstaub [µg/m3] 36 43 25 169 ** 246 ** 165 ** 78 88 61
Benzol [µg/m3] 1,8 1,2 1,2 12,5 9,5 9,7 3,1 2,7 3,5
Toluol [µg/m3] 6,1 2,5 2,2 55,7 38,5 30,8 15,7 7,8 9,6
m/p-Xylol [µg/m3] 3,1 1,3 1,3 36,6 16,8 18,5 6,6 3,8 5,3
o-Xylol [µg/m3] 1,6 0,7 0,8 11,8 8,2 7,9 3,2 2,1 2,5
Ethylbenzol [µg/m3] 1,3 0,6 0,7 13,6 7,9 8,7 2,8 1,9 2,5
1,2,4-Trimethylbenzol [µg/m3] - 21 1 - 34,4 21,3 - 10,9 3,8
a-Pinen [µg/m3] - 6,8 1,9 - 88,8 82,3 - 3,1 15
Windgeschwindigkeit [m/s] 2 2,5 3 6,6 8,7 10,4 4,6 5,7 33
Metalle
Blei [µg/m3] 0,03 0,023 0,013 - - - 0,06 0,083 0,05
Cadmium [ng/m3] 0,3 0,7 0,34 - - - 0,8 2,3 0,92
Nickel [ng/m3] 2 3,2 1,3 4,1 - - - 12,3 2,9
Kupfer [µg/m3] 0,01 - - - - - 0,02 - -
Eisen [µg/m3] 0,55 - 0,32 - - - 0,94 - 0,88
Beryllium [ng/m3] 0,012 - - - - - 0,4 - -
Arsen [µg/m3] 0,002 0,001 0 - - - 0,007 0,004 0,003
77
Polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK)
Benzo(a)pyren [ng/m3] 0,12 0,43 0,61 - - - 0,16 1,96 1,97
Benzo(e)pyren [ng/m3]] 0,23 0,4 - - - - 0,3 1,7 -
Benz(a)anthracen [ng/m3] 0,07 0,34 - - - - 0,1 1,55 -
Dibenz(a,h)anthracen [ng/m3] 0,02 0,04 - - - - 0,03 0,11 -
Benzo(ghi)perylen [ng/m3] 0,26 0,55 0,61 - - - 0,36 1,9 1,83
Coronen [ng/m3] 0,15 0,22 0,23 - - - 0,24 0,75 0,69
Dioxine/Furane (PCCD/PCDF) und polychlorierte Biphenyle (PCB)
PCDD/PCDF [fg I-TE/m3] 11 46 22 - - - - - -
PCB [pg/m3] 891 403 1,539 - - - - - -
2,3,7,8-TCDD [fg/m3] < 1,4 2 0,68 - - - - - -

* Einstundenmittelwert

**Dreistundenmittelwert

 

Immissionswerte, Grenzwerte, Schwellenwerte, Richtwerte
und MIK-Werte zur Beurteilung der Luftqualität
(Konzentrationen in µg/m3; für Kohlenmonoxid in mg/m3)
Luftverunreinigender
Stoff und Zeitbezug
Erläuterung Immissionswert
Grenz-/Richtwert
MIK-Wert
Vorschrift/Richtlinie*
Schwefeldioxid
Jahresmittel 1) 50 (IW1) TA Luft 2002
Halbstundenwert   1000 (0,5-h-MIK-Wert) VDI-2310, Bl. 11
Tagesmittel   300 (24-h-MIK-Wert) VDI-2310, Bl. 11
Stundenwert 2) 350 / 24 mal im Jahr 22. BImSchV
Stundenwert 3) 500 (Alarmwert) 22. BImSchV
Tagesmittel 4) 125 / 3 mal im Jahr 22. BImSchV
Schwebstaub
Jahresmittel (I1) 1/4) 150 (IW1) 22. BimSchV
Einstundenwert 3) 500 (1-h-MIK-Wert) VDI-2310, Bl. 19
Tagesmittel 5) 250 (24-h-MIK-Wert) VDI-2310, Bl. 19
Jahresmittel   75 (Jahres-MIK-Wert) VDI-2310, Bl. 19
Partikel (PM 10)
Tagesmittel 6) 50 / 35 mal im Jahr 22. BimSchV
Jahresmittel 7) 40 22. BimSchV
Stickstoffdioxid
Jahresmittel 1/9) 80 (IW1) 22. BimSchV
Halbstundenwert   200 (0,5-h-MIK-Wert) VDI-2310, Bl. 12
Tagesmittel   100 (24-h-MIK-Wert) VDI-2310, Bl. 12
Stundenwert 8) 200 / 18 mal im Jahr 22. BimSchV
Stundenwert 3) 400 (Alarmwert) 22. BimSchV
Stickstoffmonoxid
Halbstundenwert   1000 (0,5-h-MIK-Wert) VDI-2310
Tagesmittel   500 (24-h-MIK-Wert) VDI-2310
Ozon
Achtstundenwert 10) 110 22. BimSchV
Einstundenwert   180 (Informationswert) 22. BimSchV
Einstundenwert   360 (Alarmwert) 22. BimSchV
Halbstundenwert   120 (0,5-h-MIK-Wert) VDI-2310, Bl. 15
Kohlenmonoxid
Halbstundenwert   50 (0,5-h-MIK-Wert) VDI-2310
Tagesmittel   10 (24-h-MIK-Wert) VDI-2310
Jahresmittel   10 (Jahres-MIK-Wert) VDI-2310
Achtstundenwert 11) 10 22. BimSchV

* Abkürzungen:

TA Luft: Technische Anleitung Luft
VDI: Verein Deutscher Ingenieure
MIK: Maximale Immissionskonzentration
BImSchV: Bundesimmissionsschutzverordnung
1) kennzeichnet langfristige Einwirkung
2) einzuhalten ab Januar 2005;
bis dahin gelten Toleranzmargen: + 60 µg/m³
im Jahr 2003 bis zu 3 aufeinanderfolgende Stunden
3) einzuhalten ab Januar 2005
4) einmalige Exposition;
150 µg/m³ an aufeinanderfolgenden Tagen
5) einzuhalten ab Januar 2005;
bis dahin gelten Toleranzmargen: + 10 µg/m³ im Jahr 2003
6) einzuhalten ab Januar 2005;
bis dahin gelten Toleranzmargen: + 3,2 µg/m³ im Jahr 2003
7) einzuhalten ab Januar 2010;
bis dahin gelten Toleranzmargen: + 70 µg/m³ im Jahr 2003
8) einzuhalten ab Januar 2010;
bis dahin gelten Toleranzmargen: + 14 µg/m³ im Jahr 2003
9) »Schwellenwert für den Gesundheitsschutz (länger andauernde Luftverunreinigung)«
10) einzuhalten ab Januar 2005;
bis dahin gelten Toleranzmargen: + 4 mg/m³ im Jahr 2003

 

Immissionswerte, MIK-Werte und LAI-Zielwerte zur Beurteilung der Luftqualität
luftverunreinigender
Stoff und Zeitbezug
Dimension Immissionswerte
MIK-Werte
LAI-Zielwerte
Vorschrift
Richtlinie
Quelle
Blei im Schwebstaub
Jahresmittelwert µg/m³ 0,5 22. BImSchV
Cadmium im Schwebstaub
Jahresmittelwert 1) µg/m³ 0,02 (IW1) TA-Luft 2002
Jahresmittelwert ng/m³ 1,7 LAI-Zielwert 2)
Arsen im Schwebstaub
Jahresmittelwert ng/m³ 5 LAI-Zielwert 2)
Nickel im Schwebstaub
Jahresmittelwert ng/m³ 10 LAI-Zielwert 2), 3)
Benzol
Jahresmittelwert µg/m³ 2,5 LAI-Zielwert 3)
Jahresmittelwert µg/m³ 5 22. BImSchV
Toluol
Jahresmittelwert µg/m³ 30 Zielwert für die staatliche Luftreinhalteplanung
Xylol
Jahresmittelwert µg/m³ 30 Zielwert für die staatliche Luftreinhalteplanung
Benzo[a]pyren im Schwebstaub
Jahresmittelwert ng/m³ 1,3 LAI-Zielwert 2)
2,3,7,8-TCDD (»Seveso«-Dioxin) im Schwebstaub
Jahresmittelwert fg/m³ 16 LAI-Zielwert 2)
1) einzuhalten ab Januar 2005; bis dahin gelten Toleranzmargen: + 0,2 µg/m3 im Jahr 2003
2) Von einer Arbeitsgruppe des Länderausschusses für Immissionsschutz (LAI) erarbeitete »Beurteilungsmaßstäbe zur Begrenzung des Krebsrisikos durch Luftverunreinigungen«
3) einzuhalten ab Januar 2010; bis dahin gelten Toleranzmargen: + 5 µg/m3, ab Januar 2006 jährliche Reduzierung um 1 µg/m3

Hinweis: Für alle dargestellten Ergebnisse unterschiedlicher Messungen gilt, dass sie auf Grund teilweise unterschiedlicher Standorte der Messeinheiten und Jahreszeiten der Messungen sowie unterschiedlicher vorherrschender Windrichtungen während der Messkampagnen nur eingeschränkt miteinander vergleichbar sind. Die beste Vergleichbarkeit ist für die MILIS-Messungen 1999/2000 und 2001/2002 gegeben, deren Randbedingungen bis auf die Wettersituation als gleich anzusehen sind.

 

Zeitreihe Immissionen

Quelle: LUA NRW
* 1986 bis 1995 auf Basis des sog. TEMES-Messnetzes berechnet, 1999/2000 auf Basis des LUQS-Messnetzes
** 1999/2000 nicht ermittelt; 2001/2002 S02-Wert < 10 µg/m3
*** für 1986 keine Angabe

 

Betrachtet man die Jahresmittelwerte von SO2, NO2, CO und Schwebstaub (SSTR) dann fällt zunächst auf, dass alle Werte im Vergleich zu 1986 deutlich zurückgegangen sind (vergleiche Abbildung). Die letzten Messungen weisen allerdings ein differenziertes Bild auf. Während die Kohlenmonoxid-Konzentration zwischen 1991 und 1999/2000 deutlich sank und seitdem stagniert, ist der Stickstoffdioxidwert nach einer Stagnation Ende der 1990er Jahre weiter gesunken. Der SO2-Wert ist mit unter 10 Mikrogramm pro Kubikmeter gegenüber den 1980er Jahren auf etwa ein Drittel gesunken. Die 1999/2000 gegenüber 1995 erhöhten Werte für Schwebstaub sind bei der letzten Messung 2001/2002 auf das niedrigste Niveau seit 1986 zurückgegangen. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass die beiden letzten Messungen im Abstrom des Spanplattenwerkes vorgenommen wurden. Dabei waren die Immissionen von NO2 und Schwebstaub relativ gleichmäßig auf alle Windrichtungen verteilt. NO und CO wiesen höhere Einträge aus nördlichen bis östlichen Richtungen auf, was im Verbund mit einer deutlichen tageszeitlichen Abhängigkeit (Berufsverkehrszeiten) von NO und NO2 auf den nahen Stadtring als durchschlagende Emissionsquelle hinweist. Die Werte für SO2, NO2, CO und Schwebstaub erreichten 1995 maximal 40 Prozent, 1999/2000 maximal 36 Prozent und 2001/2002 maximal 29 Prozent des Grenzwertes der TA Luft 1986. Für NO und O3 gibt die TA Luft keine Grenzwerte an. Die Messwerte lagen 1995 für SO2, NO, NO2 und CO im untersten, für O3 und Schwebstaub im mittleren Bereich des gesamten damaligen TEMES-Messnetzes. Für den Messzeitraum 1999/2000 lagen die Werte überwiegend im Mittelfeld des LUQS-Messnetzes; die Schwebstaubbelastung lag im oberen Drittel der Vergleichsskala, und nur die Konzentration des Schwefeldioxids zählte zu den niedrigsten Werten der Vergleichsstationen. Im Winter 2001/2002 wurden deutliche Veränderungen festgestellt. Jetzt lagen allein die Werte für Ozon im oberen Drittel der Vergleichsstationen. Dem mittleren Bereich waren die Werte für CO zuzuordnen. Alle anderen Werte, also auch die für SO2 und Schwebstaub, rangierten nun am unteren Ende der Skala.

 

Schwermetalle

Die gemessenen Konzentrationen von Schwermetallen im Schwebstaub sind als vergleichsweise niedrig einzustufen (vergleiche Abbildung). Sie liegen deutlich unter denen des Ruhrgebietes und der benachbarten LUQS-Station Bielefeld und damit in Bereichen, die für einen innerstädtischen Standort außerhalb des Ballungsraums Rhein-Ruhr kennzeichnend sind (LUA 2001). Im Messzeitraum 2001/2002 sind sie darüber hinaus noch deutlich zurückgegangen. Bei den dargestellten Schwermetallen wurden Konzentrationen festgestellt, die maximal 18 Prozent des jeweiligen Zielwerts erreichten (LUA 2002). Die Belastungen mit VOC (leichtflüchtige organische Stoffe) lagen ebenfalls teilweise deutlich unter denen der Vergleichsstationen (vergleiche Abbildung). Die berechneten Jahresmittelwerte erreichten 2001/2002 bei Benzol 35 Prozent des Zielwertes, bei Toluol und Xylol sogar nur 6 bzw. 4 Prozent. Auffallend war bereits bei früheren Messungen eine erhöhte Konzentration von α-Pinen. Diese Verbindung kommt in ätherischen Ölen der meisten Nadelgehölze vor und kann bei deren Verarbeitung freigesetzt werden. Ebenso wie 1,2,4-Trimethylbenzol ist jedoch auch die mittlere Konzentration dieses Stoffes gegenüber der Messung 1999/2000 (vor der Sanierung des Spanplattenwerkes) deutlich zurückgegangen (vergleiche Tabelle oben). Allerdings treten immer noch hohe Tagesmittelwerte mit damit einhergehenden Geruchsbelastungen auf. Beide letztgenannten Stoffe weisen eine deutliche Abhängigkeit von der Windrichtung West auf. 300 Meter westlich der Messstation liegt das Spanplattenwerk. Toluol und Benzol waren demgegenüber bei östlichen Winden leicht erhöht. Hier macht sich die Emissionsquelle Stadtring bemerkbar...

 

VOC

Quelle: LUA NRW

 

 

Fazit der MILIS-Messungen 2001/2002
Zur abschließenden Bewertung der MILIS-Messungen sei noch einmal aus dem zugehörigen Bericht des Landesumweltamtes zitiert (LUA 2002):

»Die Immissionsbelastung durch Schwefeldioxid lag im Messzeitraum unterhalb der Nachweisgrenze für diese Verbindung. Im Vergleich mit den Stationen des LUQS--Messnetzes wurden am Standort in Gütersloh Stickoxid-und Schwebstaubbelastungen gemessen, die im unteren Konzentrationsbereich der nach absteigender Belastung angeordneten LUQS-Standorte lagen. Die Kohlenmonoxidbelastung rangierte im mittleren, die Ozonimmissionen im oberen Immissionsbereich. Die Mittelwerte der beiden MILIS-Messungen aus den Jahren 1999/2000 und 2001/2002 sind gut miteinander vergleichbar. Bei Stickstoffdioxid und Schwebstaub trifft diese Aussage auch für die windrichtungsabhängige Auswertung zu. Bei Stickstoffmonoxid und Kohlenmonoxid wurden während der letzten Messung höhere Stoffeinträge aus nördlichen Richtungen beobachtet.
Die am MILIS-Standort nachgewiesenen VOC-Konzentrationen weisen keine Besonderheiten auf. Die Belastung ist mit der an mäßig belasteten LUQS-Stationen (...) vergleichbar. Bei den Verbindungen 1,2,4-Trimethylbenzol und α-Pinen ist im Vergleich zu 1999/2000 ein deutlicher Konzentrationsrückgang zu verzeichnen. Die höchsten Stoffeinträge dieser beiden Verbindungen traten während beider Messkampagnen ausschließlich bei Westwind auf.
Die in Gütersloh im Schwebstaub nachgewiesenen Schwermetall- und PAK-Konzentrationen sind ebenfalls unauffällig. Die Belastungen sind vergleichbar mit denen, die an gering belasteten Stationen im Ballungsraum Rhein-Ruhr gemessenen wurden. Die Schwermetallbelastung im Zeitraum Dezember 2001 bis Februar 2002 ist geringer, die Immissionen mit Benzo(a)pyren und Benzo(ghi)perylen etwas höher als während der Messung Dezember 1999 bis Februar 2000.
Die Konzentration der in Gütersloh gemessenen polychlorierten Biphenyle, der Dioxine und Furane geben keinen Hinweis auf außergewöhnliche Immissionsbelastungen. Ein Vergleich der beiden Messkampagnen zeigt für 2001/2002 einerseits deutlich geringere Dioxin- und Furanbelastungen, andererseits aber auch höhere PCB-Konzentrationen.
Im Messzeitraum wurden in Gütersloh vorrangig Winde aus Westsüdwest gemessen, während der Messung 1999/2001 traten überwiegend Winde aus West auf.
Die am MILIS-Standort in Gütersloh ermittelten Immissionsbelastungen sind mit Konzentrationen, die an mäßig belasteten Standorten im Ballungsraum Rhein-Ruhr gemessen wurden, vergleichbar. Grenz- oder Zielwerte wurden im Gütersloh sicher eingehalten.« Ein Vergleich mit den verschiedenen Zielwerten zeigt, dass weder die Mittel- noch die Maximalwerte die derzeit gültigen Zielwerte überschreiten. Die EU-Richtlinien 1999/30/EG und 2000/69/EG haben allerdings Verschärfungen der TA Luft und der 22. BImSchV bewirkt. Der berechnete Jahresmittelwert für Stickstoffdioxid schöpft derzeit 58 Prozent des im Jahr 2010 einzuhaltenden Grenzwertes aus. Die Werte für PM 10 (Partikel mit einem Durchmesser kleiner 10 Mikrometer) sind nach dem deutlichen Rückgang der Schwebstaubkonzentration 2001/2002 deutlich besser zu bewerten als 1999/2000. Diese lungengängigen Schwebstäube dürfen ab 2005 das Jahresmittel von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter nicht überschreiten. Der vom LUA nach den bisherigen Erfahrungen geschätzte Anteil im Gesamtschwebstaub dürfte den künftigen Jahresgrenzwert im Gegensatz zu einer auf Grundlage der 1999/2000er-Messung prognostizierten Überschreitung nach den zuletzt gewonnenen Erkenntnissen allenfalls zur Hälfte ausschöpfen.

Abschätzung Immissionsbelastung 1998

Im Jahre 1998 erfolgte im Rahmen eines umweltmedizinisch-toxikologischen Gutachtens eine Abschätzung der aktuellen Immissionsbelastung (Hygiene-Institut des Ruhrgebiets 1998). Sie wurde auf der Basis der genannten MILIS-Messungen bis 1995 sowie zusätzlicher Messungen, die im Rahmen des Genehmigungsverfahrens für die geplante Abfallverbrennungsanlage in den Jahren 1992 und 1993 durchgeführt wurden, erstellt. Das Gutachten des Hygiene-Institutes von 1998 kommt zu einem ähnlichen Fazit wie das Landesumweltamt 2001. Es stellt fest, dass die Immissionsbelastung durch Luftverunreinigungen im Stadtgebiet von Gütersloh »insgesamt als günstig zu bewerten ist und dass die gemessenen Immissionskonzentrationen deutlich unterhalb der vorliegenden toxikologisch abgeleiteten Immissionsgrenzwerte, Richtwerte und Luftgüte-Leitwerte liegen« (Hygiene-Institut des Ruhrgebiets 1998). Das schließt jedoch nicht aus, »dass es im Stadtgebiet einzelne Belastungsschwerpunkte gibt, an denen es durch starken Kraftfahrzeug-Verkehr oder durch die enge Nachbarschaft von Industriebetrieben und Wohngebieten zu deutlich erhöhten Immissionsbelastungen kommt. ... Anhand der vorliegenden Messberichte lassen sich [somit] keine Aussagen zur Situation an diesen Belastungsschwerpunkten machen« (Hygiene-Institut des Ruhrgebiets 1998).

Gutachten zur Lufthygiene 2003

Die oben genannten Immissionsbelastungen beruhen auf punktuellen und zeitlich befristeten mobilen Messungen an bestimmten Belastungsschwerpunkten. Flächendeckende Aussagen, etwa für das gesamte Stadtgebiet, sind damit nur sehr eingeschränkt möglich.

Methodik

Seit Dezember 2003 liegen Ergebnisse eines lufthygienischen Gutachtens für das gesamte Stadtgebiet vor, das die Stadt im Jahr 2000 in Auftrag gegeben hatte (BÜRO FÜR UMWELTMETEOROLOGIE 2003). Es ist Bestandteil eines dreiteiligen Gesamtgutachtens zu Stadtklima und Lufthygiene für das Stadtgebiet von Gütersloh (siehe auch Kapitel B.7 zu Stadtklima). Die Untersuchungen stützen sich auf die klimatischen Ausbreitungsbedingungen (Luftströmungen in Gütersloh, siehe Kapitel B.7, dem ersten Teil des Gutachtens) sowie auf die Angaben zu Emissionen (Schadstoff-Ausstoß), die über Simulationsrechnungen in räumlich aufgeschlüsselte Daten (Rasterquadrate von 100 mal 100 Meter) zur Immission (Schadstoffeinwirkung) umgewandelt wurden. Eigene Messungen dazu fanden nicht statt. Grundlage waren punktbezogene Angaben zu Emissionen aus genehmigungspflichtigen Anlagen (StUA Bielefeld mit Stand 2000) sowie die landesweit im 1-Kilometer-Raster vorliegenden Daten zu den Verkehrsemissionen (LUA NRW mit Stand 1996). Da konkrete Daten für die dritte wichtige Emissionsgruppe »Hausbrand« fehlten, wurde für diesen Bereich hilfsweise eine Zuordnung über auf Basis der Klimatop- bzw. Nutzungstypenklassifikation (siehe Teil 1 Klima) vorgenommen - abgeglichen mit einem gut untersuchten Musterbeispiel der Stadt Recklinghausen. Die Aussagen betreffen die 3 Schadstoffgruppen Stickstoffdioxid (NO2), leichtflüchtige Kohlenwasserstoffe außer Methan (NMVOC) und Schwebstaub. Zu beachten ist, dass zwischenzeitlich bereits wieder erhebliche Veränderungen beispielsweise bei den genehmigungspflichtigen Anlagen stattgefunden haben. Auch ist darauf hinzuweisen, dass bei der angewandten Methodik jeweils nur Zusatzbelastungen ermittelt werden können. Für Aussagen zur Gesamtbelastung muss die vorhandene Hintergrundbelastung (die andauernd vorhandene Belastung) hinzugenommen werden (z. B. aus Vergleichswerten emissionsferner Waldstandorte). Die Hintergrundbelastung stellt den größten Teil der Gesamtbelastung. Eine Absicherung der durchgeführten Berechnungen konnten mit Hilfe der Ergebnisse der MILIS-Messungen (siehe oben) vorgenommen werden.

NO2-Immissionen

Bei Verbrennungen entsteht sowohl Stickstoffmonoxid (NO) als auch Stickstoffdioxid (NO2). Da NO bereits kurz nach dem Ausstoß in NO2 umgewandelt wird, betrachtet die Untersuchung ausschließlich NO2. Relevant sind die Konzentrationsgrenzwerte der 22. BimSchV vom 11.09.2002 (vergleiche Tabelle oben). Die Berechnungen ergaben für Gütersloh ein maximales Jahresmittel der Gesamtbelastung von 39 Mikrogramm pro Kubikmeter in den Bereichen höchster Immissionsbelastung. Der Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeterwird nicht überschritten. Bei der Bewertung der Immissionssituation sind allerdings das grobe (1 mal 1 Kilometer) Raster für die Verkehrsemissionen sowie auch die Bebauungsgeometrien an den Straßen (in engen Straßenschluchten kommt es zu deutlichen Anstiegen der Belastungen). Beides zusammen kann nach Einschätzung des Gutachters »unter Umständen zu kleinräumigen Immissionsanhebungen über den Jahresmittelwert führen«. Vom Immissionsumfang her hat der Verkehr geringfügig höhere Anteile an der Gesamtbelastung als der Hausbrand. Die Verteilung hängt in starkem Maße von tages- und jahreszeitlichen Einflüssen ab (z.B. Rushhour morgens und abends; Heizen im Winter).

 

Karte F.3.1

Legende

 

Die Karte F.3.1 zeigt die Ergebnisse der Simulationsrechnungen für die Zusatzbelastung an NO2 (Jahresmittelwerte). Auf der Hauptkarte ist die Gesamtzusatzbelastung dargestellt, die Beikarten beinhalten die Aufschlüsselung nach den Emissionsquellen Verkehr, Hausbrand und genehmigungspflichtige Anlagen (Punktquellen). Immissionsschwerpunkte liegen im Bereich der Innenstadt, südöstlich davon und im Nordosten. Hier führen die Emissionen von Verkehr und Industrie sowie die vorherrschenden Luftströmungen aus Westen zu einer leichten Verschiebung der Immissionsschwerpunkte nach Nordosten. Die hohen Belastungen im Innenstadtbereich sind auf die Abgasfahnen genehmigungspflichtiger Anlagen zurückzuführen. Die höchsten Zusatzbelastungen werden im Gewerbegebiet Nordhorn erreicht. Der Autoverkehr der A2 führt in diesem Bereich zu einer Erhöhung der NO2-Konzentrationen zwischen 15,0 und 19,99 Mikrogramm pro Kubikmeter. Insgesamt wird die in Richtung der Hauptwindrichtung Südwest-Nordost gestreckte Ausdehnung der Immissionen deutlich. Schwerpunkte der Hausbrandzusatzbelastung zeigen sich in der Innenstadt, während die Belastungen durch den Verkehr entlang der A2 Höchstwerte zeigen. Die Immissionen aus genehmigungspflichtigen Anlagen sind räumlich sehr eng begrenzt. Sie führen jedoch zu den höchsten Belastungswerten. Bei den Kurzzeitbelastungen ist ein Stundenmittel von 200 Mikrogramm pro Kubikmeter einzuhalten, das höchstens 18 mal pro Jahr überschritten werden darf. Im Rahmen der vorgestellten Untersuchung konnte für diese Beurteilungsintervalle jeweils nur die Zusatzbelastung ermittelt werden, nicht jedoch die Gesamtbelastung, da Zeitreihen mit einer entsprechenden räumlichen Auflösung für die Hintergrundbelastungen fehlen. Die Verteilung der Kurzzeit-Belastungsschwerpunkte ähnelt stark der der Jahresmittelwerte.
 

NMVOC-Immissionen

Für die leichtflüchtigen Kohlenwasserstoffe außer Methan (NMVOC) wurde ebenfalls eine Simulationsberechnung der Jahresmittelwerte vorgenommen. Da es einen Summengrenzwert nicht gibt, kann nur mit einem Gesamtwert, der sich aus den Einzelwerten der 22. BimSchV für die NMVOC Benzol, Benz(a)pyren, Toluol und Xylol zusammensetzt, verglichen werden. Dieser liegt bei 66,3 Mikrogramm pro Kubikmeter. Der höchste simulierte Jahresmittelwert einer Rasterfläche von 100 mal 100 Meter in Gütersloh liegt bei 12,2 Mikrogramm pro Kubikmeter. Das sind 18,4 Prozent des genannten »Gesamt-Grenzwertes«. Legt man eine aus Vergleichswerten abgeleitete Vorbelastung von 5 - 10 Mikrogramm pro Kubikmeter zu Grunde, dürfte die Gesamtbelastung in Gütersloh im Jahresmittel 10 - 20 Mikrogramm pro Kubikmeter betragen. Diese Werte sind als unkritisch einzuordnen.

Schwebstaub- / PM10-Immissionen

Die zukünftig einzuhaltenden Grenzwerte des Schwebstaubes orientieren sich am sog. PM10-Wert, der sich auf den Partikel-Durchmesser von 10 Mikrometer bezieht. Die Vorbelastung ist in Gütersloh im Jahresmittel mit 24 Mikrogramm pro Kubikmeter anzunehmen. An Immissionszusatzbelastungen wurden mit der Simulation Werte von unter 1 Mikrogramm pro Kubikmeter errechnet. 5 Mikrogramm pro Kubikmeter ergeben sich demgegenüber aus der MILIS-Hochrechnung der Gesamtbelastung, die 29 Mikrogramm pro Kubikmeter beträgt. Der Gutachter geht davon aus, dass im Jahresmittel tatsächlich eine Zusatzbelastung von 2 Mikrogramm pro Kubikmeter im Jahresmittel und bis zu 8 Mikrogramm pro Kubikmeter im maximalen Tagesmittel besteht. Das bedeutet eine Gesamtbelastung von 26 - 32 Mikrogramm pro Kubikmeter. Der Jahres-Grenzwert für PM 10 liegt bei 40 Mikrogramm pro Kubikmeter. Er wird damit sowohl nach der Simulationsberechnung als auch nach den MILIS-Daten deutlich eingehalten. Aufgrund des geringen Anteils der lokal emittierten Schwebstäube am Gesamtwert schätzt der Gutachter die Chancen für eine deutliche Senkung der Staubbelastung durch lokale Maßnahmen als sehr schwierig ein.

Quellen:
  • Hygiene-Institut des Ruhrgebiets (1998): Umweltmedizinisch-toxikologisches Gutachten zur Bewertung der stofflichen Immissionen im Umfeld des Spanplattenwerkes der Pfleiderer Industrie GmbH & Co / WIRUS-Werke Gütersloh, Gelsenkirchen
  • Landesanstalt für Immisionsschutz / Landesumweltamt Nordrhein-Westfalen: Sondermessungen Gütersloh 1986, 1987, 1991, 1995, 1999/2000 und 2001/2002

 


 

 

 

 

 


 
 





 


Stadt Gütersloh, Fachbereich Umweltschutz; Letzte Änderung: 13.12.2013