B.4 CO2-Emission / sonstige Treibhausgase

Bearbeitungsstand: 11/2013

 

Ein wesentlicher Faktor, der unser Klima beeinflusst, ist das Kohlendioxid (CO2) in der Atmosphäre. Es hält die langwellige Wärmestrahlung zurück, die von der Erde ins All ausstrahlt, und trägt so zur Erwärmung der Atmo­sphäre bei. Seit Beginn der industriellen Revolution nimmt die Emission von anthro­pogenem CO2 in einem Maße zu, das sich nach heutigem Erkenntnis­stand in einem deutlichen Anstieg der durch­schnittlichen Temperatur der Atmosphäre bemerkbar macht. Neben Kohlendioxid (CO2) tragen dazu auch weitere Gase wie Methan (CH4), Distickstoffoxid (N2O), Fluorchlor-Kohlenwasserstoffe (FCKW) und andere bei. Dieses Kapitel ist in folgende Aspekte untergliedert:

Hintergrundinformation: Umrechnungsfaktoren

Die mit dem Verbrauch fossiler Energieträger verbundene Kohlendioxid-Emission wird vom Umweltbundesamt (Jahresbericht 1994) wie folgt beziffert:

Energieträger spezifische
CO2-Emission
1 Kilogramm Steinkohle 2,74 Kilogramm
1 Liter Heizöl 2,62 Kilogramm
1 Kubikmeter Erdgas 1,78 Kilogramm
1 Liter Motorbenzin 2,38 Kilogramm
1 Liter Dieselkraftstoff 2,62 Kilogramm
1 Kilowattstunde Strom * 0,6 Kilogramm

* alte Bundesländer

Röhnert (2000) berechnete spezifische Gütersloher Umrechnungs­faktoren für den Stromverbrauch, die sich auf den ins Netz eingespeisten Strom beziehen:

  • Netzstrommix für Haushalte, Gewerbe, Handel, Dienstleister und Industrie: 606,09 Kilogramm Kohlendioxid pro Megawattstunde
  • Strommix Großunternehmen (z. T. selbst erzeugt): 469,19 Kohlendioxid pro Megawattstunde

CO2-Gesamtemissionen

Integriertes Klimaschutzkonzept

Das integrierte Klimaschutzkonzept für die Stadt Gütersloh wurde im Herbst 2013 beschlossen. Ein wesentlicher Arbeitsschritt bei der Erarbeitung des integrierten Klimaschutzkonzeptes ist die Erstellung einer aktuellen Bilanz der CO2-Emissionen für die gesamte Stadt. Dazu werden die bei der Nutzung von Energieträgern wie Strom, Gas, Öl und Kohle freigesetzten Mengen an Kohlendioxid aufsummiert. Für die Stadt Gütersloh betrugen 2011 die örtlich verbrausbezogenen CO2-Emissionen 777.530 Tonnen. Zieht man hiervon die Gutschrift (vermiedene Emissionen) durch die Erzeugung erneuerbaren Stroms ab, beträgt der effektive Wert 701.719 Tonnen. Diese teilen sich, nach Energieträgern sortiert, wie folgt auf:

Quelle: Integriertes Klimaschutzkonzept (2013)

Betrachtet man die Kohlendioxid-Emissionen der einzelnen Verbrauchssektoren, zeigt sich eine Dominanz von Gewerbe, Handel, Diesntleistungen und der Industrie von 57,9 Prozent, gefolgt von den Haushalten mit 32,6 Prozent.

Quelle: Integriertes Klimaschutzkonzept (2013)

Ein wesentlicher Grund für den hohen Anteil des Bereichs Gewerbe/Handel/Dienstleistungen/Industrie liegt in der Dominanz der drei großen Firmen Bertelsmann, Miele und Pfleiderer.

Quelle: Integriertes Klimaschutzkonzept (2013)

Von allen 3 Firmen wurden besonders im Rahmen des Projektes LEEN große Anstrengungen unternommen Energieeffiziensmaßnahmen durchzuführen.

Ausführliche Informationen zu der CO2-Bilanz in Gütersloh können im ersten Teil des Integrierten Klimaschutzkonzeptes und in den CO2-Bilanzen nachgelesen werden. Das gesamte Klimaschutzkonzept ist in 3 Teile gegliedert. Diese stehen auf der Internetseite der Stadt Gütersloh im Umweltportal zum Download zur Verfügung.

CO2-Bilanz 1998

Eine erste CO2-Bilanz für das Jahr 1998 war durch Röhnert (2000) aufgestellt worden. Im folgenden werden die Ergebnisse der Diplomarbeit zusammenfassend dargestellt.

Aus den Energieverbräuchen (vergleiche Kapitel B.1) und diesen spezifischen Faktoren errechnet Röhnert eine CO2-Gesamtemissionen für Gütersloh (ohne Verkehr) von 882.000 Tonnen pro Jahr. Hinzu kommen die verkehrsbedingten Emissionen von 165.662 Tonnen pro Jahr (Landesumweltamt NRW 1999). Diese Summe gliedert sich nach Verbrauchergruppen wie folgt:

Quelle: Röhnert (2000), Landesumweltamt NRW (1999); * GHD: Gewerbe/Handel/Dienstleister

Eine Übersicht über die Detailverbräuche (ohne Großunternehmen und Verkehr) gibt die nachfolgende Tabelle:


CO2-Emissionen aus dem Energieverbrauch Gütersloh 1998
  Raum-
wärme
[tCO2]
Warm-
wasser
[tCO2]
Prozess-
wärme
[tCO2]
Kraft
[tCO2]
Beleuchtung
[tCO2]
Kommunikation
[tCO2]
Strom Haushalte 8.977 12.922 24.554 23.842 8.038 7.884
GHD 2.742 - 15.734 20. 425 21.397 5.224
Industrie - - - 67.260 4.432 2.276
Erdgas Haushalte 110.812 8.896 673 - - -
GHD 72.124 - 16.194 - - -
Industrie 16.805 1.470 60.813 - - -
Heizöl Haushalte 86.299 7.643 - - - -
GHD 12.187 - 2.736 - - -
Industrie 2.840 248 10.276 - - -
Kohle Haushalte 1.266 - - - - -
Nahwärme Industrie 932 - - - - -
gesamt 314.985 31.179 130.980 111.526 33.866 15.384

Quelle: Röhnert (2000)

Tabelle und Abbildung zeigen, dass die Gütersloher Haushalte die mit Abstand größte CO2-Emittentengruppe darstellen und dass die Verbrennung von Erdgas und Heizöl für private Heizzwecke die größte Emissionsquelle ist.

Weitere Angaben und Hochrechnungen über Emissionen in Gütersloh enthält das Emissionskataster Luft NRW 1996/97 (Landesumweltamt NRW 1999). Es berücksichtigt die örtlichen Emittentengruppen Industrie, Gewerbe/Kleingewerbe, Kleinfeuerungsanlagen, Verkehr, Landwirtschaft und Nutztierhaltung sowie sonstige Quellen (u.a. Erdgasverteilung, Deponien, Kompostierung, Abwasserreinigung, Oberflächengewässer, Produktanwendung in Haushalten). Die mit dem Stromverbrauch gekoppelte Emissionen sind in diesem Kataster nur insoweit enthalten, als elektrischer Strom vor Ort mit Hilfe von Feuerungsanlagen erzeugt wird und im Stadtgebiet zu Emissionen führt. Der von außerhalb nach Gütersloh gelieferte Strom ist dagegen nicht eingerechnet.

Emissionskataster Luft NRW

Das Emissionskataster Luft liefert Angaben über 24 verschiedene Emissionsarten. Im folgenden werden daraus - soweit enthalten - die klimarelevanten (sogenannte Treibhausgase Kohlendioxid CO2, Methan CH4 und Lachgas N2O), die für den Ozonhaushalt wichtigen (Stickoxide NOx, flüchtige organische Verbindungen NMVOC) und die für die Bildung saurer Niederschläge verantwortlichen Spurengase (neben Stickoxiden auch Schwefeldioxid SO2 und das sekundär zur Bodenversauerung beitragende Ammoniak NH3) wiedergegeben. Lokale Daten zur FCKW-Emission liegen nicht vor.

In der Stadt Gütersloh emittierte Spurengase (Auswahl)

Emission Einheit Industrie Gewerbe Kleinfeuerungs-
anlagen
Verkehr Landwirtschaft
Nutztiere *
sonstige
Quellen
SO2 kg/a 481.139 - 102.264 35.142 - -
NOx kg/a 952.646 - 231.656 1.017.048 - -
NH3 kg/a 978 - - 34.738 ca. 500.000 * -
NMVOC kg/a 240.908 765.781 16.919 653.228 - 203.592
CO2 t/a 177.756 - 304.688 165.662 - -
CH4 kg/a 36.586 - 18.505 31.630 ca. 830.000 * -
N2O kg/a 6.345 - 7.777 23.541 ca. 100.000 * -

* Emissionsdaten zur Landwirtschaft/Nutztierhaltung liegen nur für den gesamten Kreis Gütersloh vor; die Anteile der Stadt Gütersloh werden zu circa 10 Prozent geschätzt (entspricht den ungefähren Anteilen der Fläche und der landwirtschaftlichen Betriebe)
Daten nach Landesumweltamt: Emissionskataster NRW 1996/97

Einsparpotenziale

Hinsichtlich der Emission von Treibhausgasen bestehen erhebliche Einsparpotentiale. Die Sanierung von Altbauten im Stadtgebiet Gütersloh auf den Standard der Wärmeschutzverordnung von 1982 würde beispielsweise bedeuten, dass etwa 57.300 Tonnen CO2 weniger in die Atmosphäre abgegeben werden. Bei Erreichen des Niedrigenergiehaus-Standards wären es sogar etwa 144.100 Tonnen bzw. knapp über 70 Prozent weniger heizbedingte CO2-Emissionen. Eine Aufschlüsselung zeigt das folgende Diagramm.

Heizbedingte Kohlendioxid-Emissionen aller Wohngebäude in Gütersloh bei Einhaltung der angegebenen Standards (Vergleichsjahr 1996):

(Daten nach Fachbereich Umweltschutz, Stadt Gütersloh)

Treibhausgase NRW

Um diese Reduzierung auf gut ein Viertel zu erreichen, wären aber erhebliche Anstrengungen notwendig. Wollte man z. B. die Standards der WSVO von 1982 erreichen, müssten 80 Prozent der 18.500 Gütersloher Wohngebäude saniert werden. Das zeigt ein Blick auf den hohen Anteil vor 1982 errichteter Wohngebäude:

(Daten nach Fachbereich Umweltschutz, Stadt Gütersloh)

Dem Ziel einer deutlichen Senkung der heizbedingten Emissionen ein Stück näher zu kommen, ist auch die Intention der aktuell laufenden Programme der Stadt Gütersloh zur Altbausanierung (siehe Kapitel B.2).

Aber auch die Erschließung anderer umweltfreundlicher Energiequellen birgt die Möglichkeit, erhebliche Emissionen zu vermeiden. So nutzt z. B. die Entspannungsturbine der Gasübernahmestation der Stadtwerke Gütersloh die bei der Gasübernahme in das eigene Netz nötige Druckminderung zur Energiegewinnung. Dadurch werden jährlich 4,8 Millionen Kilowattstunden bereitgestellt. Das bedeutet eine Minderung der CO2-Abgabe von 2.900 Tonnen pro Jahr (SWG-Geschäftsbericht). Weitere Potenziale bieten z. B. Photovoltaik- und Windkraftanlagen, Blockheizkraftwerke und Biogasanlagen (siehe Kapitel B.2) sowie die Umstellung industrieller Feuerungen auf nachwachsende Rohstoffe.

Quelle:
e&u energiebüro gmbh (2013): Integriertes Klimaschutzkonzept Gütersloh, Teil 1: CO2-Bilanz, Bielefeld
Röhnert, Philipp (2000): Kommunale Energiekonzepte im liberalisierten Energiemarkt (Diplomarbeit)

Stadt Gütersloh, Fachbereich Umweltschutz; Letzte Änderung: 28.06.2018