B.2 Regenerative Energien

Bearbeitungsstand: 12/2019

 

Der Einsatz der regenerativen bzw. erneuerbaren Energien leistet einen deutlichen Beitrag zum Schutz der Umwelt, insbesondere natürlich zum Schutz der Atmosphäre und des Klimas. Die Anteile dieser Energieformen sind in den letzten Jahren zum Teil deutlich angestiegen. In Gütersloh besteht der relative Anteil an erneuerbarer Energie am Stromverbrauch (Angaben www.energieatlasnrw.de, Stand: Dez. 2018):

Energieform Gigawattstunden pro Jahr
Photovoltaik 27
Wind 16
Wasser 1
Biomasse 89
Klärgas 6,6
Summe 139,6

Der Gesamtwert von 139,6 GWh/a macht etwa 17 Prozent des gesamten Stromaufkommens aus. Der weit überwiegende Anteil der regenerativ erzeugten Energie stammt mit circa 11,3 Prozent aus der Biomasse, und zwar aus der Verbrennung von Holzabfällen. Danach folgen Photovoltaik mit etwa 3,1 Prozent, Windkraft mit etwa 2 Prozent, Klärgas mit 0,7 Prozent und schließlich Wasserkraft mit weniger als 0,1 Prozent. Aktuelle Zahlen für die Stadt Gütersloh finden Sie im Energieatlas Nordrhein-Westfalen vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW unter www.energieatlasnrw.de.

Anlagen in Gütersloh
In Gütersloh sind bereits viele Anlagen zur Nutzung erneuerbarer Energie installiert worden (vergleiche Karte B.2.1). Deren Zahl nimmt ständig weiter zu, sodass die im Folgenden angegebenen Zahlen nur Näherungswerte sein können, die tatsächlich deutlich höher liegen werden. Die genauesten Werte liegen wegen der Einspeisevergütung bei der Photovoltaik und  Windkraft vor.

Die im Kapitel A.5 vorgestellten Exkursionsziele enthalten eine Auswahl von Anlagen zur Erzeugung regenerativer Energie.

Photovoltaik
Strom aus Sonnenlicht zu gewinnen, ist eine der saubersten und attraktivsten Arten, nutzbare Energie zu produzieren. Im Bereich der Photovoltaik liegt Gütersloh mit zurzeit 2077 Anlagen mit einer installierten Gesamtleistung von 30.859 Kilowatt/peak (Stand: 12/2019, Quelle: Stadtwerke Gütersloh) im landes- und sogar bundesweiten Vergleich im oberen Drittel bei Städten mittlerer Größenordnung.
Allgemeines Ziel sollte es sein, die Stromerzeugung aus Sonnenlicht sowohl im privaten und öffentlichen Bereich als auch bei Betriebsgebäuden deutlich zu verstärken. Die Stadt hat daher Schuldächer für die Installation von Anlagen zur Verfügung gestellt. Auf Gebäuden der Stadt Gütersloh wurden - Stand Dez. 2018 - Photovoltaikanlagen mit einer Leistung von 643 kW betrieben, davon 327 kW durch die Stadt selbst. 286 kW werden auf Dächern städtischer Gebäude von Dritten betrieben, zumeist Fördervereine und gewerbliche Betreiber. 2019 wurden 4 weitere Anlagen (Hauptwache Feuerwehr, TEK Tobiasweg, Betriebshof Westring 119, GS Kapellenschule) mit insgesamt 120 kWp in Betrieb genommen. Für 2020 ist die Installation von PV Anlagen auf den Dächern von 9 Gebäuden geplant: Grundschule Blankenhagen, Grundschule Edith Stein, Rathaus II, Spiekergarten 41 – 63, Neubauten Unterkünfte Holzheide, Kaiserstraße 5 Alte Post, 3. Gesamtschule, TEK Pelikanweg, Grundschule Avenwedde. Die Installation von Photovoltaikanlagen auf Schuldächern und die Einbeziehung regenerativer Energietechnologien in den Unterricht sind im Rahmen der OWL-Expoinitiative als regionales Projekt anerkannt worden.

Die Photovoltaik hat sehr von den Novellen des Erneuerbaren Energiengesetzes (EEG) Anfang 2004 und 2009 profitiert. Durch die Novellen im EEG Anfang 2012 und Mitte 2014 gab es einen starken Einbruch in der Zahl der Neuinstallationen. Seit Mitte 2018 gehen die Zahlen wieder nach oben.
 
Die rasante Entwicklung der seit 1994 in Gütersloh installierten Leistung von Photovoltaikanlagen wird in den folgenden Grafiken deutlich:



Zurzeit (Stand: Dezember 2019; Zahlen: Stadtwerke Gütersloh) sind in Gütersloh 2077 Anlagen mit einer Gesamtleistung von 31 Megawatt/peak installiert, das sind etwa 290 Watt pro Kopf.

Solarwärme
In Gütersloh sind zwar bereits zahlreiche Solarwärmeanlagen installiert worden (vergleiche Karte B.2.1), die Stadt liegt mit 0,072 Quadratmeter Kollektorfläche pro Einwohner im landesweiten Vergleich allerdings zurzeit nur im Mittelfeld. Zu berücksichtigen ist hierbei jedoch auch, dass nur die Förderdaten des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) zu Solarwärmeanlage in die Statistik einbezogen sind.

Bei einem Förderprogramm der Stadtwerke Gütersloh im Jahr 2000 wurden 37 Solarwärmeanlagen mit insgesamt 217 Quadratmeter Fläche gefördert. Ein weiteres Förderprogramm der Stadtwerke lief 2003; dabei wurden (Stand: Oktober 2003) 58 Solarwärmeanlagen mit 402 Quadratmeter Fläche beantragt.

Als Zielwert für Gütersloh sollte der vom Energie Impuls OWL e. V. empfohlene Wert von 1 Quadratmeter Kollektorfläche pro Einwohner angestrebt werden. Neben dem Klimaschutzeffekt durch Kohlendioxid-Minderung haben Solarwärmeanlagen einen positiven Arbeitsplatzeffekt (auf der Basis 2001 erzielter Umsätze 250 bis 300 Arbeitsplätze OWL-weit).


Windkraft
Die Energieerzeugung aus Windkraft zeigt eine sehr dynamische Entwicklung (vergleiche Karte B.2.1).

Bei neuen Standorten für Windkraftanlagen sind regionale Gegebenheiten wie Windverhältnisse, Siedlungsdichte oder Landschaftsbild zu beachten. Allgemeines Ziel sollte es sein, die Stromerzeugung aus Windenergie soweit zu verstärken, wie es unter Berücksichtigung der genannten Aspekte sowie auch des Naturschutzes angemessen ist. Mit der 8. Änderung des Flächennutzungsplanes wurden 2016 weitere Vorrangflächen für Windenergieanlagen ausgewiesen und 2017 errichtet (vgl. Kapitel N - FNP 2020).

2017 wurden 3 WEA mit je 2,3 MW im Rhedaer Forst errichtet, damit laufen im Stadtgebiet 9 WEA verschiedener Betreiber. Die noch im FNP der Stadt Gütersloh ausgewiesenen Standorte werden nach bisherigen Erkenntnissen mit den geplanten Abstandsregelungen des Windenergieerlasses NRW, den für heutige Anlagengrößen erforderlichen Baulastflächen und dem aktuellen Vergütungsmodell (Bieterverfahren) nicht mehr zu realisieren sein.

Die Zielerreichung zum Ausbau der Windenenergie entsprechend dem Klimaschutzkonzept der Stadt Gütersloh ist damit ausgeschlossen. Ein Repowering vorhandener Windstandorte in Gütersloh erscheint ebenfalls nicht möglich. Die Stadtwerke versuchen, Betreiber von WEA nach Auslaufen der 20-jährigen EEG-Vergütung beim Weiterbetrieb ihrer Anlagen zu unterstützen. Ansonsten muss davon ausgegangen werden, dass sich der Anteil der regionalen Windenergienutzung in Gütersloh gegenüber dem Stand von 2017 zukünftig reduzieren wird.

(Zahlen: Stadtwerke Gütersloh)


Wasserkraft
Aufgrund der naturräumlichen Ausstattung des Gütersloher Raumes mit nur schwach ausgeprägtem Relief sowie der teilweise unregelmäßigen Wasserführung der meist kleineren Bäche ist eine umfangreiche Nutzung des Wassers zur Energieerzeugung nicht möglich. Einzig an Stauwehren wird ein akzeptables Gefällepotential erreicht. In das Stromnetz eingespeiste Energie aus Wasserkraft wird in einem Wasserkraftwerk der SWG an der »Avenstroths Mühle«, die an der Dalke in der Nähe des Parkbades liegt, sowie in einer Anlage in Isselhorst erzeugt. Die beiden genannten Anlagen speisen insgesamt 81.000 Kilowattstunden pro Jahr in das Stromnetz der SWG ein.

WESTBELD (1986) berechnet das Leistungspotenzial der ehemaligen, bestehenden und noch betriebenen Wassermühlen im Stadtgebiet auf 172,5 Kilowatt. Bezogen auf ein normales Abflussjahr (1975) ergibt dies eine maximale Jahresarbeit von 723.800 Kilowattstunden unter Berücksichtigung eines Restwasseranteils (Mindestwasserabfluss) von 10 Prozent. Bei der Errichtung auch kleinerer Wasserkraftwerke sind Zielkonflikte zwischen Klima- und Gewässerschutz zu lösen, welche die Wirtschaftlichkeit der Anlagen beeinflussen.

Biomasse
Neben der Klärgasnutzung ist die energetische Nutzung von Holz bedeutsam für Gütersloh geworden. Von zwei größeren Heizkraftwerken mit einer Gesamtleistung von fast 16 Megawatt werden ca. insgesamt 89 Gigawattstunden pro Jahr in das Stromnetz der SWG eingespeist. Weiterhin wird inzwischen in einigen kleineren Anlagen Holz als Brennstoff verwendet (z.B. Hausheizungen mit Holzpellettechnik, Holzhackschnitzelanlagen). Laut Energieatlas NRW gibt es in Gütersloh 5 Biomasse-Anlagen mit einer installierten Leistung von 14,8 MW.

Erdwärme (Geothermie)
Erdwärme kann zu Heizzwecken sowie zur Stromerzeugung genutzt werden. Ein beispielhaftes Gebäude in Gütersloh stellt das Betriebsgebäude einer Bekleidungsfirma dar. Der Gesamtwärmebedarf dieses Komplexes beträgt rund 140 Kilowatt. Durch 8 Erdwärmesonden von circa 100 Meter Tiefe, einer Wärmepumpe (thermische Leistung 60 Kilowatt) und einem Dieselaggregat (thermische Leistung 20 kW), durch Biodiesel (Nutzung der Abwärme) angetrieben, können 270.000 kWh jährlich genutzt werden. Die Erdwärmenutzung in Verbindung mit dem Blockheizkraftwerk vermeidet gegenüber einer konventionellen Heizanlage über 50 Prozent der Kohlendioxidemissionen.

In Gütersloh besteht jedoch noch ein sehr großes bislang nicht genutztes Potenzial zur Erdwärmenutzung. Dies zeigt die Potenzialstudie des LANUV aus dem Jahr 2015. Demnach könnten theoretisch 68 bis 69,8 Prozent des Wärmebedarfs der Gütersloher Gebäude, der insgesamt bei 1.536 Gigawattstunden pro Jahr liegt, über die oberflächennahe Geothermie (bis zu 100 Meter Tiefe) mittels Erdwärmesonden gewonnen werden. Gütersloh erreicht damit im Landesvergleich hohe Anteile. Für ganz NRW liegen die Deckungsanteile bei 52,1 bis 56,7 Prozent (in Abhängigkeit von der Einbeziehung von Gebäuden in Wasserschutzzonen).

Die vollständige Potenzialstudie zur Geothermie steht auf der Internetseite des LANUV im Bereich Publikationen zum Download bereit.

Klärgas/Biogas
Über den Einsatz dieser klassischen regenerativen Energien hinaus besteht die Möglichkeit der Verwertung von anfallenden Gasen, beispielsweise in Kläranlagen und Deponien. Das reduziert sowohl die Kohlendioxid- als auch die Methan-Emissionen. Methan ist nach Kohlendioxid das wirksamste Treibhausgas. Die Verbrennung von Klärgas in der Kläranlage Putzhagen sowie in der Kläranlage des Abwasserverbandes Obere Lutter, an der die Stadt Gütersloh zu 14 Prozent beteiligt ist, deckt erhebliche Anteile am Wärmebedarf der Faultürme und an der Stromversorgung der übrigen Anlagen ab. Die Heizkraftwerke der beiden Kläranlagen sind auf eine thermische Gesamtleistung von circa 3,5 Megawatt sowie auf eine elektrische Gesamtleistung von circa 1,9 Megawatt ausgelegt. Der jährliche Bedarf an Faulgas als Brennstoff beträgt um die 3,2 Millionen Kubikmeter. Die in das Stromnetz der SWG eingespeiste Strommenge liegt bei etwa 5 Gigawattstunden pro Jahr.
Nähere Informationen zu dieser Anlage finden sich in Kapitel B.5.

 

Quelle:
LANUV - Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (2015): Potenzialstudie Erneuerbare Energien NRW, Teil 4 - Geothermie. LANUV-Fachbericht 40.
Westbeld, Harald (1986): Kleinwasserkraftwerke im Gebiet der oberen Ems, In Spieker: Landeskundliche Beiträge und Bericht - Heft 31

Stadt Gütersloh, Fachbereich Umweltschutz; Letzte Änderung: 23.03.2020