K.2 Nährstoffbörse / Güllebörse

Bearbeitungsstand: 12/2018

Güllebörde Gütersloh

Landwirtschaftliche Betriebe mit großem Viehbestand haben oft das Problem, dass die ihnen zur Verfügung stehenden Flächen nicht ausreichen, um die anfallende Gülle auszubringen. Dagegen besteht bei zahlreichen viehlos oder vieharm wirtschaftenden Betrieben Bedarf an organischem Dünger. Um hier Abhilfe zu schaffen, wurde die Güllebörse gegründet. Träger ist das Kuratorium für Betriebshilfsdienste / Maschinenringe in Westfalen-Lippe e.V. über die Agarservice GmbH Gütersloh-Ravensberg-Lippe.

Die "Güllebörse Gütersloh" ist nicht nur bloße Vermittlerin der Gülle, sie bilanziert auch die Dungeinheiten, erstellt Düngepläne und Nährstoffbilanzen, führt Buch über die vermittelten Güllemengen und stellt mehrjährige Vermittlungsgarantien für gülleabgebende Betriebe aus.

Die Vermittlungsgarantie dient in Genehmigungsverfahren und in der Vermittlungsgarantiezeit bei Behörden als anerkannter Flächennachweis. Aufgrund gesetzlicher Vorgaben sind viehreiche landwirtschaftliche Betriebe nämlich verpflichtet, nur bestimmte Mengen auf ihre Flächen auszubringen. Der abgebende Betrieb hat darüber hinaus den Vorteil, die Düngung besser an den Bedarf anpassen zu können. Der Gülle-aufnehmende Betrieb spart Mineraldüngerkosten, erhöht gleichzeitig seine Bodenfruchtbarkeit und kann außerdem eine Düngeberatung in Anspruch nehmen.

Grundlage für die Vermittlung ist unter anderem auch die Berechnung des Beurteilungsblattes für Nährstoffanfall des Landes Nordrhein-Westfalen sowohl für den abgebenden wie auch für den aufnehmenden Betrieb. Nur wenn die Grenzwerte für Phosphor, Stickstoff und wirtschaftseigenen Dünger eingehalten werden, wird dem Transfer zugestimmt.

Neben der Vermittlungsgarantie werden auch privatrechtliche Abnahmeverträge für Gülle über einen Zeitraum von 9 Jahren für Baumaßnahmen anerkannt.

 

Wann darf ein Landwirt Gülle/ Dünger ausbringen?

Die Nährstoffe der Gülle können von den unterschiedlichen Pflanzen nicht zu jeder Zeit gleich effektiv aufgenommen werden. So benötigen Pflanzen im Winter während der Ruhephase überhaupt keine Düngung. Nährstoffe können zu dieser Zeit auf leichten mineralischen Böden schnell in das Grundwasser ausgewaschen werden  (vergleiche Kapitel G. 15). Sinnvolle Ausbringungszeiten für Gülle zeigt der Güllekalender:

 

Insgesamt sind jedoch die Angaben der Düngeverordnung zu berücksichtigen. Ein generelles Düngeverbot besteht, wenn der Boden überschwemmt, wassergesättigt, gefroren oder schneebedeckt ist.  

Eine Ausnahme: Auf gefrorenen Böden dürfen maximal 60 kg Gesamt-N/ha aufgebracht werden, wenn

  • durch Auftauen tagsüber die Aufnahmefähigkeit des Bodens gegeben ist
  • keine Gefahr des Abschwemmens in Gewässer bzw. auf benachbarte Flächen besteht
  • eine Pflanzendecke (= Winterung, Zwischenfrucht, Grünland) vorliegt
  • anderenfalls die Gefahr einer Bodenverdichtung und von Strukturschäden durch das Befahren bestehen würde.

Für Grünland besteht eine Sperrzeit für die Ausbringung von Düngemitteln mit wesentlichem Gehalt an Stickstoff zwischen dem 01. November und dem 31. Januar, für Ackerland ab der Ernte der letzten Hauptfrucht bis zum 31. Januar.

Ausnahmen für eine Stickstoffdüngung im Herbst nach Ernte der Hauptfrucht gelten z. B. für den Anbau von Zwischenfrüchten nach Getreide. Dabei dürfen maximal 30 kg/ha Ammoniumstickstoff oder 60 kg/ha Gesamtstickstoff aufgebracht werden. 

Die angegebenen Stickstoffmengen entsprechen etwa 15 Kubikmeter Rindergülle oder 8-10 Kubikmeter Gülle von Mastschweinen. 

Ferner darf in der Zeit vom 15. Dezember bis zum 15. Januar kein Festmist von Huf- und Klauentieren sowie Kompost aufgebracht werden. Eine Ausgleichsdüngung zu Stroh ist nicht mehr zulässig.

Verbindlich sind die Angaben in der Düngeverordnung. Diese ist hier online einsehbar.

 

Verbringungsverordnung

Mit der Verbringungsverordnung (WDüngV) sollen überbetriebliche Nährstoffströme transparent und nachvollziehbar gemacht werden. Sie gilt für landwirtschaftliche Betriebe, gewerbliche Tierhaltungen, Biogasanlagen, Lohnunternehmeer, Vermittler, Beförderer und Importeure von Wirtschaftsdüngern. Jeder, der Wirtschaftsdünger oder Stoffe die diesen enthalten in Verkehr bringt, befördert, aufnimmt, verwertet oder mit ihnen handelt, muss der Landwirtschaftskammer NRW die Aufzeichnungen melden. Diese enthalten Name und Anschrift des Abgebers, Beförderers und Empfängers, das Datum der Wirtschaftsdüngerübergabe, die gelieferte Menge sowie Düngerart, Stickstoff- und Phosphatgehalt und Menge des Stickstoffs tierischer Herkunft.

Es gibt Ausnahmen: Die Aufzeichnungs-, Mitteilungs- und Meldepflicht gelten nicht,

  • für Betriebe, die weniger als 200 t Frischmasse pro Jahr in Verkehr bringen, befördern oder aufnehmen
  • landwirtschaftliche Betriebe, die gemäß der Düngeverordnung keinen Nährstoffausgleich erstellen müssen und betrieblicher Stickstoffanfall und aufgenommene Menge pro Jahr 500 kg Stickstoff nicht überschreitet
  • für alleinverantwortlichen Bewirtschaftern von zwei oder mehr Betrieben in denen Dünger anfällt, sofern die Betriebe nicht mehr als 50 km auseinander liegen.
  • Soweit Verpackungen mit weniger als 50 kg an nicht gewerbsmäßige Endverbraucher in Verkehr gebracht werden.

 

Weitere Informationen und gesetzliche Grundlagen finden Sie im Internetangebot der Landwirtschaftskammer NRW.


Stadt Gütersloh, Fachbereich Umweltschutz; Letzte Änderung: 17.12.2018