K.1 Landnutzung / Viehbestand

Bearbeitungsstand: 09/2017

Anteil der landwirtschaftlichen Fläche

50 Prozent der Fläche des Stadtgebietes von Gütersloh werden durch die Landwirtschaft genutzt (vergleiche nachfolgende Tabelle sowie Kapitel E.2). Die Landwirtschaft ist daher ein prägender Umweltfaktor. Auch fast alle planungsrelevanten Flächenansprüche berühren aus diesem Grund die Belange der landwirtschaftlichen Betriebe.

Flächennutzung Stadt Gütersloh 2015 (1999)
  Hektar Prozent
Gesamtfläche 11.202 100
davon
landwirtschaftliche Fläche 5.620 (6.257) 50,1 (55,9)
Wald 934 (744) 8,3 6,6)
Gebäude-, Verkehrs-, sonstige Fläche 4.648(4.201) 41,5 (37,5)

Quelle: Katasterflächen in NRW 1999, Bodenflächen in NRW nach Art der tatsächlichen Nutzung 2016; IT.NRW

 

Struktur der landwirtschaftlichen Betriebe

Für die Darstellung der Betriebsstruktur wurden landwirtschaftliche Betriebe ab 5 Hektar (ha) landwirtschaftlich genutzter Fläche (LF) mit Betriebssitz in der Stadt Gütersloh erfasst. Von den 151 festgestellten Betrieben (Stand 2013) werden 34 Prozent im Haupterwerb und 66 Prozent im Nebenerwerb bewirtschaftet. Aufgrund des starken Strukturwandels der zurückliegenden Jahre ist es zu einem erheblichen Rückgang der Anzahl kleinerer und mittlerer Betriebe gekommen. In den Betriebsgrößenklassen 5 bis 50 Hektar nahm die Zahl der Betriebe zwischen 1982 und 2013 von 248 auf 123 ab. Lediglich die Zahl der Betriebe über 50 Hektar nahm von 16 auf 28 zu.

Der beschleunigte Strukturwandel hat dazu geführt, dass sich die Flächenbewirtschaftung bzw. die landwirtschaftliche Produktion auf einen stark verkleinerten Kreis von Betrieben konzentriert. Im Durchschnitt bewirtschaftet der Haupterwerbsbetrieb nunmehr 63 ha LF, die Nebenerwerbsbetriebe kommen auf 15 ha LF.

Die Betriebe versuchen ihre Flächenausstattung in erster Linie über Zupacht zu verbessern. Von 1982 bis 2013 stieg der Pachtanteil an der landwirtschaftlichen genutzten Fläche von 25 Prozent auf ca. 50 Prozent. Die Zupacht von Flächen bietet landwirtschaftlichen Betrieben durch die Senkung von Stückkosten in der Regel eine günstige Möglichkeit der weiteren betrieblichen Entwicklung.

Durch die hohe Pachtquote wächst allerdings auch die Abhängigkeit von den Grundstückseigentümern und durch den Trend zu immer kürzeren Pachtverträgen ist eine langfristige Planung für die Betriebe oft nicht mehr möglich.

 

Landwirtschaftliche Bodennutzung und Viehhaltung

Die landwirtschaftlichen Flächen werden zu 71 Prozent ackerbaulich und zu 29 Prozent als Grünland genutzt. Innerhalb des Stadtgebietes gibt es stärkere Abweichungen von diesem Mittelwert. So finden sich größere Grünlandkomplexe, in der Regel bedingt durch hohe Grundwasserstände, schwierige Vorflutverhältnisse sowie unterlassener Flurbereinigung, insbesondere in den Gemarkungen Avenwedde, Spexard, Hollen, Niehorst und Isselhorst. Auf dem Ackerland werden etwa 41 Prozent Getreide, 43 Prozent Mais und 8 Prozent Futtergräser angebaut (2013).

Die vorhandenen Grünlandflächen werden insbesondere von den Milchviehbetrieben im Stadtgebiet genutzt. Einige Grünlandflächen stehen in Verbindung mit extensiven Formen der Rindviehhaltung (z.B. Mutterkuhhaltung) und der Pferdehaltung. Der Viehbesatz ist in Gütersloh seit der Betriebserhebung 1988 in etwa gleich geblieben, liegt aber etwas höher als in anderen Teilen des Kreisgebietes. Die Tierhaltung hat für die meisten Betriebe eine große ökonomische Bedeutung, da die Flächenausstattung und die natürliche Ertragsleistung der Böden von jeher vergleichsweise niedrig waren. Von den viehhaltenden Betrieben haben sich etwa 40 Betriebe auf eine, teils auf zwei Tierhaltungen in größerem Umfang spezialisiert – insbesondere auf Milchproduktion und Schweinemast sowie auf die Geflügelhaltung. Hervorzuheben ist in Gütersloh auch die Pferdehaltung. Für den Freizeitsport bieten die Betriebe verschiedene Dienstleistungen an (Pensionspferdehaltung, Reitbetrieb usw.).

Viehbesatz in der Stadt Gütersloh und Vergleichswerte in der Region 2013 (1988)
  GV /  ha LF*
Stadt Gütersloh 1,50 (1,47)
Kreis Gütersloh 1,11 (1,88)
Reg.-Bez. Detmold 1,05 (1,34)
NRW 1,25 (1,33)

* Großvieheinheit pro Hektar: 500 Kilogramm Lebendtiergewicht pro Hektar
Quelle: BfA OWL LWK NRW 2017
 

Bei einem Besatz von 1,5 GV / ha in Gütersloh sind die Voraussetzungen für eine standort- und bedarfsgerechte Düngung mit Gülle, Stallmist und Jauche – auch im Hinblick auf den Gewässerschutz – als gut und ausgeglichen zu beurteilen. Zu diesem Thema vergleiche auch Kapitel K.2.

Die voraussichtliche landwirtschaftliche Entwicklung der Stadt Gütersloh schätzt die Bezirksstelle für Agrarstruktur Ostwestfalen-Lippe wie folgt ein:

Die weitere Entwicklung der Landwirtschaft der Stadt Gütersloh hängt in hohem Maße von den vorgegebenen Rahmenbedingungen der europäischen und der nationalen Agrarpolitik ab. Im Jahr 2013 gab es noch 151 Betriebe, ein Minus von 6,2 % in den letzten 10 Jahren. Von diesen 151 Betrieben waren 51 Haupterwerbsbetriebe und 100 Nebenerwerbsbetriebe. Vor allem die Anzahl der Nebenerwerbsbetriebe wird zurückgehen, da mehr Nebenerwerbsbetriebe aufhören werden als Hauptbetriebe in den Nebenerwerb wechseln. Somit wird sich auch in den nächsten 10 Jahren der Strukturwandel weiter fortsetzen. Im Zuge des Generationswechsels, durch Erreichen der Altersgrenze und der i.d.R. bereits außerlandwirtschaftlich orientierten Hofnachfolger, werden viele Betriebe aufgegeben. Der Wechsel vom Nebenerwerb zum Haupterwerb wird auch in Zukunft die Ausnahme bleiben.

Damit wird der Druck zu größeren Bewirtschaftungseinheiten ungebrochen anhalten. Die Zahl der Betriebe, die weniger Fläche bewirtschaften wird abnehmen, während die Zahl derer, die wachsen, in den Größenklassen ab 50 ha zunimmt. Die Nachfrage nach Pachtflächen wird in Gütersloh weiterhin auf einem hohen Niveau bleiben und steigen – auch im Hinblick auf den seit Jahren hohen landwirtschaftlichen Flächenverbrauch für Siedlungs-, Infrastrukturmaßnahmen und Aufforstung von fast 40 ha pro Jahr.

Für eine nachhaltige Sicherung und Entwicklung der landwirtschaftlichen Betriebe in der Stadt Gütersloh sind zudem die Vorgaben, die aus der regionalen und kommunalen Planung einschließlich der Landschaftsplanung auf die landwirtschaftlichen Betriebe im Hinblick auf deren Standorte und Flächen einwirken werden, von großer lokaler Bedeutung. Die Möglichkeit, ihre Produktion nach Art und Umfang den sich ändernden Bedingungen anpassen zu können, ist Voraussetzung für eine nachhaltige Entwicklung der Betriebe. Somit wird die Landwirtschaft in Gütersloh zukünftig durch wachstumsorientierte Haupterwerbsbetriebe sowie durch betriebs- und arbeitswirtschaftlich gut organisierte Nebenerwerbsbetriebe in allen Agrarräumen der Stadt vorhanden sein.

 

Quelle:

Landwirtschaftskammer NRW: Bezirksstelle für Agrarstruktur Ostwestfalen-Lippe, eigene Erhebungen 2013 und 2017
IT. NRW: Katasterfläche in NRW 1999 und 2009, Bodenflächen in NRW nach Art der tatsächlichen Nutzung 2016


Stadt Gütersloh, Fachbereich Umweltschutz; Letzte Änderung: 14.09.2017